Himmelfahrt

18.05.2023

Joh 12,32: Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Jesus redet hier zwar schon von seinem Triumph, aber es ist noch die Theologie des Kreuzes. Im Kontext des Joh ist mit „Erhöhung“ immer das Kreuz gemeint (... wie Mose die Schlange, ...; Kap.3). Am Kreuz ist die Kraft, mit der Jesus zu sich zieht. Auf dem Thron ist dann die Macht, mit der Jesus bei sich hält, nämlich alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Allversöhnung und calvinistische Weltregierungslehre gründen sich auf eine falsche Zuordnung.

„Wie Mose die Schlange“ – damit stellt Jesus eine klare Glaubensentscheidung heraus. In der zitierten Situation (4Mo 21) gab es etliche Israeliten, die zu Mose sagten: Für dumm verkaufen können wir uns selber, wir haben gerade andere Probleme. Mose antwortete: Ganz im Gegentum! Für das einzige Problem, das ihr habt, halte ich hier die Lösung hoch. Der Glaubensblick auf die eherne Schlange war die Rettung. Der Glaubensblick auf den, dem die Schlange ihr Gift „in die Ferse sticht“, ist die Erlösung.

„Das Wort vom Kreuz“ ist die Gotteskraft, die Menschen aus dem Tod ins Leben bringen kann. Am Kreuz läßt der gute Hirte sein Leben für die Schafe und zieht sie zu sich, die sonst hilflos, orientierungslos und ausgeliefert waren „wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Am Kreuz zerreißt er die Ketten der Sünde und des Todes, die ihre Gefangenen in die falsche Richtung ziehen.

Christus zieht nicht beliebig irgendwohin. Der Gekreuzigte – der einzige Inhalt, den Paulus den Korinthern verkündigt hat – zieht zu sich, also ans Kreuz. Christus sagt, er zieht alle. Es folgen aber nicht alle. Nun machen wir Christus und sein Wort vom Kreuz völlig unglaubwürdig und belanglos, wenn wir sagen: Das macht gar nichts. – Ebenso auch, wenn wir jemanden einen Reformator nennen, der behauptet hat, Christus wolle eben nicht alle. Die Frage ist niemals: Will Christus? Die Frage ist immer: Will ich, daß er mich zu seinem Kreuz zieht?

Der Weg mit diesem erhöhten Herrn – „aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes“ – hat keinen anderen Zugang als das Kreuz. Wer in Bethlehem mal die Geburtskirche besucht und versucht hat, aufrecht hineinzukommen, der hat sich sicher gewaltig den Schädel eingerannt. Die Tür erfordert eine tiefe Beugung. Der Christus, der sagt: „Ich bin die Tür.“ Erfordert sie auch.


„Wer Jesus am Kreuze im Glauben erblickt, der wird heil zu derselbigen Stund‘. Darum blick nur auf ihn, den der Vater geschickt, der dort einst auch für dich ward verwund’t!

Refrain: Sieh‘, sieh‘, Sünder, sieh‘! Wer Jesus am Kreuze im Glauben erblickt, der wird heil zu derselbigen Stund‘.

O, hat nicht dein Jesus getragen die Schuld, hat gebüßet am Kreuz auch für dich? O, floß nicht sein Blut voll erbarmender Huld zur Erlösung für dich und für mich?

Dein Weinen und deine Gebete sind’s nicht, wodurch du mit Gott wirst versöhnt. Das Blut deines Heilands befreit vom Gericht; er nur ist’s, der mit Gnade dich krönt.

O, zweifle nicht länger und glaub es gewiß! Du hast sonst gar nichts weiter zu tun. Dein Jesus, er trat auch für dich in den Riß; in ihm kannst du selig nun ruh’n.

So nimm denn mit Freuden, was Jesus dir beut: Er gibt dir das ewige Heil! O, glaub es gewiß, o, ergreif es noch heut‘, so bleibt es dein ewiges Teil!“ (Th.Kübler)

Jens Döhling