Ps 16,6: Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schönes Erbteil geworden.

2Kor 9,8: Gott kann machen, daß alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk.

Was ist eigentlich die Zukunftserwartung von Sozialethikern? Hätte man als Lehrtext nicht Kol 1,12 nehmen müssen? „Sagt Dank Gott, dem Vater, der euch tüchtig gemacht hat zum Erbteil der Heiligen im Licht!“


David hat uns hier keinen Erntedank-Psalm hinterlassen, sondern einen Lobpreis Gottes über seine Lebensführung. Deswegen schreibt er diesem Psalm wohl auch einen Typus zu, den Luther mit „güldenes Kleinod“ übersetzt hat. Es ist also kein Gelegenheitspsalm wie z.B. Ps 34. Es ist eine Bilanz.

Bilanz zieht man naturgemäß, wenn es etwas zu bilanzieren gibt. Bilanzen sind wohl auch um einiges komplizierter als Einnahmen-Überschussrechnungen, wie wir sie für Vereine machen. Soweit ich weiß, müssen dafür Aktiva und Passiva, „Soll“ und „Haben“ gegenübergestellt werden. In welcher Form auch immer gebundenes Eigentum, ebenso wie in Anspruch genommenes Eigentum anderer muss dargestellt werden. Ausfall-Risiken und Gewinn-Warnungen spielen eine Rolle. Versuche „feindlicher Übernahmen“ und Kosten für deren Abwehr tauchen auf.

Was bedeutet das alles für eine Bilanz Davids? Wie schlagen die Jahre mit Saul oder Absalom in einer solchen Bilanz zu Buche, wie die drohende Insolvenz, die Nathan ihm auf den Tisch knallt?

Ist David vielleicht auch deswegen ein „Mann nach dem Herzen Gottes“, weil er erst Bilanz zieht, nachdem er vor Gott den Offenbarungseid abgelegt hat? König Saul begegnet uns eher als Insolvenz-Verwalter seines eigenen Herzens – und Königtums. Das finden wir bei David nicht. Vielmehr scheint ihn ein Master-Abschluss in „non-profit management“ für sein Amt zu qualifizieren, und sein Königtum gewinnt immer dann an Vollmacht, wenn Gott ihn genau dahin zurückführt. Die Bilanz (Mir ist ein schönes Erbteil geworden) zieht er auf genau diesem Lebensweg.

Auf diese Weise macht Gott sich seinen König David „tüchtig“ – oder tauglich. Auf diese Weise macht er sich auch seine „Heiligen zu ihrem Erbteil im Licht“ tauglich. Vor dem Obersten Insolvenz-Gericht auf Golgatha legen sie den Offenbarungseid ab, und er reagiert darauf mit einer „freundlichen Übernahme“. Alle Kosten dafür trägt er mit dem Blut seines Sohnes selber. An die Stelle unseres „Solls“ tritt seine Gnade, und neue Schulden unsererseits treffen immer auf die Fülle seiner Gnade. An die Stelle unseres Unvermögens tritt seine Gerechtigkeit. An die Stelle unserer Bilanz-Tricks tritt seine Allmacht.

Dass er tüchtig macht, bleibt das Entscheidende. Wir werden nicht Eigentümer unserer Tüchtigkeit, aber wir dürfen Eigentum unseres Tüchtig-Machers sein.